Maximilian Reichert
Haltlos, zu gross, aufgehalten, ausgebremst wie die SCHILDKRÖTE auf dem Rücken, die träumerisch zu den Sternen blickt. Kämpfen und nicht verzweifeln. Nach dem Universum greifen, wie MAXIMILIAN, der schon längst den Kopf in den Bühnenlichtern sonnt!

Interview
Max Reichert ist mit Trajal, New Kyd, David, Camille, Challenge und vielen anderen Freund*innen und Bekannten in New York, als ich ihn interviewen soll. Es ist lustig, als ich einen Tag mit New Kyd telefoniere, höre ich Max zufällig im Hintergrund. Da wir durch den Atlantik getrennt sind, schreibe ich ihm sechs Stunden versetzt auf Whatsapp, wie es für ihn am einfachsten wäre, mit dem Interview. Er meint, vielleicht ist es am einfachsten über Sprachnachrichten und ich stimme dem zu.
FREDI: Also zu was glaubst du, sollte ich über dich wissen?
MAX R.: Alles und nichts, am besten finden wir das gemeinsam raus!
Max hat eine ganz sanfte Stimme in den Sprachnachrichten, die er mir schickt, wälzt manche Worte vorsichtig im Mund umher, probiert ihre Anfänge einmal aus, bevor er sie in das Handymikrofon, zu mir und dann per Proxy uns hinaus lässt. Es bringt mich zum Lächeln, lässt mich aber auch hinterfragen, wie genehm ihm die Situation ist, denke aber auch, dass er schon was sagen würde, falls nicht. Ist ja auch etwas sonderbar, diese digitale Beziehung, die wir versuchen zu erzeugen, insbesondere da Ich Max eigentlich auch nur aus (ausschließlich liebevollen) Erzählungen anderer kenne. Ich habe das Gefühl wir befinden uns in diesem fragilen Zustand, bevor zwei bekannt miteinander werden, wenn sich zwar eine Vorstellung voneinander durch Anekdoten und Eindrücken anderer geformt hat, die jedoch niemals einer Wirklichkeit entsprechen kann und vielleicht genau deshalb mit besonderer Sanftheit gebrochen werden muss. Ich habe Max zwar in verschiedenen Stücken gesehen, von Trajal eben, aber auch Giesches Arbeiten im Schauspielhaus, oder Bonn Parks Romeo und Julia bspw. und ich wollte ja schon ne ganze Weile Piets Baggerdrama schauen gehen, in dem er auch mitgespielt hat. Wir folgten uns auf Insta – Max ist zuverlässiger Storyliker, Ehre dafür – als ich es noch hatte, aber von Angesicht zu Angesicht miteinander gesprochen haben wir noch nicht wirklich. Unsere längste Konversation an die ich mich erinnere, war, als er mir, nach Bitten meinerseits, bei Giesches Moise und die Welt der Vernunft nen doppelten Last Word eingeschenkt hat; verbotener- und netterweise.
FREDI: Worauf freust du dich am Neumarkt?
MAX R.: Ich bin sehr gespannt, was da jetzt alles kommt und freu mich, wenns dann losgeht!
Beim Schreiben fällt mir auf, dass ich schon auch gern wissen würde, was Max getrunken hätte – wie ich es mir auch bei allen notiert habe – wenn wir in Person zusammengetroffen wären und schreibe ihm nochmal, als er gerade aus den Staaten zurück ist und mit Jetlag in Wien verweilt. Er antwortet mir, dass es darauf angekommen wäre, wie wir uns getroffen hätten, ob es warm gewesen wäre, welche Zeit, was ich bestellt hätte. Wenn es so regnerisch gewesen wäre wie jetzt, als ich ihn frage, dann wohl ein warmes Getränk, sagt Max. Vielleicht ein Jasmintee oder ein Matcha Latte. Schande auf sein Haupt, sagt er und ich grinse breit in irgendeinem Cafe in Zürich. Vergeben und vergessen!
FREDI: Wann fühlst du dich konservativ / wann bist Bünzli?
MAX R.: Ich mag das sehr gern, wenn man pünktlich ist, weil man dadurch nicht die Zeit anderer Menschen für eine Ressource hält, die man verschwenden kann. Ich mag es, wenn man irgendwie konzentriert ist – Ich glaube, da bin ich Bünzli, bei der Pünktlichkeit. Und dann die Aufmerksamkeit, die sich an andere Menschen richtet – Ich mag es überhaupt nicht wenn die Tram voll ist und man bemerkt nicht, dass jemand der*die nicht gut stehen kann sitzen müsste, oder wenn man nicht die Tür aufhält, da muss ich auch wirklich sagen, dass Zürich da wirklich unteriridisch ist, was Aufmerksamkeit gegenüber anderen Menschen, die vielleicht Hilfe benötigen, angeht.
Ist vielleicht auch weil ich ein Dorfkind bin und ich hatte das Gefühl, dass man sich auf dem Dorf eher hilft - oder andererseits in Städten wo nicht alles so gut funktioniert, ist man gezwungen miteinander zu sprechen, was ich total toll finde, weil dann verhandelt man die Dinge anders.