Protest 1980

Mai 2020

Opernhauskrawalle meet Klimastreik
Protest 1980

Vor genau 40 Jahren, im Mai 1980, entzündete sich am Entscheid des Stadtrats, auf ein Jugendzentrum zu verzichten, bei gleichzeitigem Beschluss 60 Millionen Franken für die Renovation des Opernhauses auszugeben, eine Jugendbewegung, die Zürich zwei Jahre im Atem hielt und als «Jugendunruhen» oder «Opernhauskrawalle» in die Geschichtsbücher einging. Statt Hochkultur forderte die Jugend ein vielfältiges Kulturangebot, statt Polizeistunde mehr Freiräume. Die Zwingli-Stadt antwortete mit einem massiven Polizeiaufgebot und Unverständnis. Wie es soweit kommen konnte, dass die Jugend in Zürich auf die Strasse ging, vermochten sich die Regierenden nicht zu erklären. Die Demonstrationen nahmen zu. Die Jugendlichen organisierten sich, gründeten Aktionskomitees, Genossenschaften und Künstlerkollektive und es gelang ihnen, Zürich in ihren Grundfesten zu verändern.

Vier Jahrzehnte später begehrt die Jugend erneut auf und rüttelt am Gesellschaftsmodell ihrer Eltern. Diesmal vernetzt sie sich global, organisiert sich in Chats und stellt die nationalen Regierungen an den Pranger. In «Protest 1980» spannt Choreograf und Regisseur Michiel Vandevelde einen Bogen von der lokalen Jugendbewegung der 80er-Jahre hin zur heutigen und sucht mit einer generationenübergreifenden Besetzung nach der Erweckung und Energie des revolutionären Moments. Welche gestaltende Kraft steckt in der Jugend? Sind die Rezepte von damals unter den veränderten Bedingungen noch dieselben? Wie viel bleibt vom Schlachtruf der 80er, «Wir wollen alles, und zwar subito!», in einer uns immer unkontrollierbarer erscheinenden Welt?

Altgewordene Aktivist*innen treffen auf junge und reflektieren gemeinsam mit dem Neumarkt-Ensemble über den gegenwärtigen Stand der Immobilität der (westlichen) Politik. Zwischen Hoffnung und Verzweiflung besteht der Versuch der Aufführung darin, über das individuelle Streben nach Selbstverwirklichung hinauszugehen und das Theater zu einem Kollektivlabor politischer Vorstellungskraft zu machen.

Bild: Miklós Klaus Rózsa

Theater

Produktion

Regie und Choreografie:
Michiel Vandevelde
Dramaturgie:
Mit:
Ensemble und Protestierende von gestern und heute
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