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LOVE PLAY FIGHT
& drei Sparten für ein unbedingtes Theater

LOVE PLAY FIGHT ist unser GLAUBENSBEKENNTNIS und SCHLACHTRUF, ist Einladung und Aufforderung an Stadt und Künstlerinnen. Unter diesem MOTTO verwandeln wir das Theater Neumarkt in NEUMARKT und gestalten eine Institution, an der Überzeugungstäterinnen in unseren drei Bereichen PLAYGROUND, THEATER UND AKADEMIE lieben, spielen und streiten.

Wir glauben, dass das Neumarkt mit seiner bewegten Geschichte dazu einlädt und auffordert. Dieser Ort hat sich immer wieder angreifbar gemacht. Und das ist wichtig und richtig. Auch vor allem, wenn es darum geht, nicht nur Theater weiterzuentwickeln, sondern auch die eigene Kritik mit zu reflektieren, und Institution als Modell für etwas Grösseres zu verstehen als sie selbst. Wir glauben, dass eine Institution zu bespielen und zu positionieren vor allem bedeutet, dass man zunächst als individuelle Person weiss, was man will, wofür man steht und einsteht.

Wir wollen in erster Linie Visionen, Haltungen, Fragen, Statements in die Welt setzen und anderen Raum geben, das zu tun. Wir sind überzeugt, dass jede Vision aus Liebe zur Sache, zum Menschen, zum Leben und zur Welt geboren wird. Und wir wissen, dass eine der grössten Herausforderungen die Frage ist, wie sich die Liebe zur Sache übertragen kann, wie sich Haltungen und Ästhetiken gegenseitig befruchten und „viral“ gehen können.

Wir glauben, dass Kultur-Institutionen das leisten können, wenn sie nicht elitär sind, sondern Partizipation und Teilhabe als Selbstverständlichkeit leben – ohne Etikettenschwindel. Wir glauben auch, dass die Kunstform Theater hierfür besonders geeignet ist. Im Theater können wir einen Raum kreieren, der Menschen aus unterschiedlichen Kontexten gleichermaßen einlädt, inspiriert und meint, um gemeinsam mit uns zu lieben, zu spielen und zu kämpfen.

Wir gehen Allianzen mit der internationalen Theaterszene, der Zürcher Kunstszene und Kreativwirtschaft, sowie sozio-kulturellen Projekten ein. Wir spielen damit, was es heißt ein Theater zu sein und kultivieren Mimikry als Strategie und subversive Spiegelung der Gegenwart. Das Neumarkt als Spielplatz und Akademie – Theaterproduktionen, offene theatrale Experimente und barrierefreie Denkanstalt als gleichberechtigte Bereiche begegnen einander in Spiel- und Versuchsanordnung, nicht strategisch, sondern leidenschaftlich. Agonistischer Pluralismus. Kein Kanon, sondern Zeitgenossenschaft. Keine Zwangsehen, sondern passionierte künstlerische Affären und große Liebesgeschichten. Kein Elfenbeinturm, sondern ein Marktplatz für Ideen und Inspiration. Infektiös.

LOVE PLAY FIGHT ist ernst gemeint: auf allen Ebenen.

LIEBE, das bedeutet unbedingte Hingabe im SPIELPLAN zu relevanten Stoffen und Formen, im PERSONAL zu Künstler*innen und Mitarbeiter_innen; GASTGEBERSCHAFT als gelebte Liebe zu allen, die das Haus betreten. LOVE ist für uns auch die Liebe zur produktiven Differenz, d.h.: Gemeinsam mit Menschen aus verschiedensten Kontexten zu arbeiten mit einem ENSEMBLE aus eigenständigen Künstlerpersönlichkeiten. Und das heisst auch mit Menschen arbeiten, die lieben, was sie tun.

PLAY ist ein Bekenntnis zu Humor und Interaktion, zu einer lustvollen und spielerischen Energie, die im Idealfall alle erreicht und erfasst. Dafür wollen wir Bedingungen schaffen: NIEDERSCHWELLIGKEIT und VERMITTLUNG und FLACHE HIERARCHIEN nach Innen und Aussen, und eine ATMOSPHÄRE ohne Druck und Angst für alle MitarbeiterInnen. Es geht darum mit Künstlerinnen und der Stadt ins Denken und Spielen zu kommen. Dabei hilft auch unser SOUNDING BOARD aus Bewohner*innen der Stadt Zürich, das uns im Spielplan berät.

FIGHT: Es geht um Haltung, und um engagierte, streitbare Inhalte und Formen im SPIELPLAN, dass man keine Mühen scheut, und auch darum, Position zu beziehen als Künstler*in, aber auch als Leitung. FIGHT heisst auch, für das Programm zu bürgen und zu kämpfen, für Ideen einzustehen, für Überzeugungen auch Grenzen zu überschreiten, Perspektiven in Frage zu stellen. FIGHT heisst auch, sich angreifbar zu machen, und Konflikt als Chance zu sehen, sich weiterzuentwickeln.

Wir möchten im sich beratenden Kollektiv arbeiten und eine Kultur entwickeln, in der wir Entscheidungen gemeinsam treffen und verantworten. Wir wissen, dass eine kollektive Leitung und flache Hierarchien größere Dialog- und Konfliktfähigkeit und viele Diskussionen notwendig machen. Wir halten das aus. Wir glauben, dass es, gerade wenn es um die Verdichtung und das Zusammenbringen von Unterschiedlichem geht, kollektive Prozesse interessantere Ergebnisse bringen als konventionelle hierarchische Leitungsstrukturen.

Die drei Sparten

Enthierarchisierung lautet auch unser Credo für die Programmgestaltung. Dies spiegelt sich in unseren drei gleichberechtigten Sparten wider: PLAYGROUND, THEATER, AKADEMIE. Es gibt kein Nebenprogramm, sondern alles ist Hauptprogramm. Das, was wir in den Sparten machen, ist vielleicht nicht neu, auch nicht am Neumarkt. Aber wir wollen diese Versuche radikalisieren und gleichberechtigt unter einem Dach zusammenführen.

PLAYGROUND steht für künstlerisches Experiment, spielerische Interventionen und hier suchen wir Praxen der Kunstproduktion jenseits der eingespielten Räume und Routinen.

THEATER steht für unterschiedliche Produktionsweisen und neue Aufführungsformate. Hier suchen wir nach zeitgenössischen Formaten, Ästhetiken und Stoffen jenseits von Kanon auf der Bühne für ein Publikum.

AKADEMIE steht für die Erforschung und Befragung von Wissen, Denken und Welt. Hier suchen wir nach künstlerischen und spielerischen Formen inhaltlicher Auseinandersetzung jenseits von Expertentum, Überheblichkeit oder Schwellen.

Unbedingtes Theater

Unsere drei Sparten ergänzen sich und greifen ineinander. Hierin zeigt sich auch unsere Idee des Unbedingten Theaters. Eines Theaters, das von einem erweiterten Theaterbegriff ausgeht; eines Theaters, das Versammlungsort genauso sein will wie Ort des Experiments. Neumarkt versteht sich als eine Institution, die versucht modellhaft zu sein. Die Frage ist, mit Achille Mbembe gesprochen, „wie die Menschheit sich ein gemeinschaftliches, kosmopolitisches Selbstverständnis schaffen kann, das es uns erlauben würde, nachhaltige Veränderungen zu erwirken.“

Das Theater Neumarkt ist ein Betrieb für die Freiheit der Kunst, letztlich ein Widerspruch in sich. LOVE PLAY FIGHT ist auch der Versuch, THEATERMACHEN (also auch den Betrieb eines Theaters) als kreativen Prozess zu begreifen und damit zu spielen, was ein Theater ist und sein könnte. Und nirgends geht das besser als am Neumarkt.
Das Neumarkt ist einer der wenigen Orte in Zürich, der ganz unschweizerisch „offensiv“ sein darf – und das meint nicht: renitent, sondern produktiv störend. Diese Qualität des Neumarkt möchten wir ausreizen und versuchen zu radikalisieren.

Wir wollen ein Ort sein der liebt, kämpft, spielt, atmet, sich bewegt. Wir wollen ein OFFENES PROFIL, VIELHEIT; eine LEBENDIGE IDENTITÄT, mit der man sich identifizieren kann und bei der sich die Anliegen direkt übertragen, wo die Kunst und die damit verbundenen Diskurse persönlich spürbar werden. Wir wollen ein Ort sein, der alle einlädt, gemeinsam zu befragen, wofür es sich zu lieben, spielen und kämpfen lohnt.

Zürich braucht so einen Ort.
LOVE PLAY FIGHT ist ernst gemeint und dafür stehen wir ein.

Dein Neumarkt.

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