Jean-Paul Sartre
Camille Roduit, Sophie Flannery Prune Vergères
16.11.26 / 19:00
Da sind wir also. Drei Fremde finden sich in einem unbekannten Salon wieder: die Kosmopolitin Estelle, die Postangestellte Inès und der Journalist Garcin. Manchmal schaut noch ein sonderbarer Diener nach ihnen – oder ist es ihr Wächter? Was guckt er so? Und warum sind wir eigentlich hier? Raus geht’s nicht, die Tür ist zu und selbst die Klingel für den Diener funktioniert nicht! So heisst es ausharren in diesem schrecklich schicken Käfig, doch dabei lässt es sich den bohrenden Blicken der anderen kaum entrinnen. Die Hölle, das sind die anderen, schreibt Jean-Paul Sartre dazu. Als dementsprechend die Fassaden bröckeln, die Beteuerungen von Unschuld und giftige Grausamkeiten blitzend durch den Raum fliegen, enthüllen sich die turbulenten Vergangenheiten, ihre Scham, wie morbiden Gründe, welche die drei in diese elegante Hölle verdammt haben.
Nirgends anders als in dieses triste Fegefeuer führt uns Sartres Klassiker Huis Clos, der im NEUmarkt von Regie-Duo Camille Charlotte Roduit und Sophie Flannery Prune Vergères in wortwörtliche Schieflage gestellt wird. Anknüpfend an die ausweglose Grundlage — die Paranoia, drückende Langeweile, dieser leichte Schweissfilm auf der Stirn, erhitzter Stillstand — entfalten die Regisseurinnen das zugrundeliegende, geradezu physische Abarbeiten der Figuren aneinander.
Von Schrägen umzingelt, zum Rutschen, Stolpern, Fallen gezwungen, zwischen Stimmen aus den Wänden und einbrechenden Erinnerungen gesperrt, begibt sich unser ENSEMBLö in die teuflische Leere, in der Zeit selbst ganz sonderbar verstreicht. Ein ewiger Totentanz: Mal schneller, langsam, rasend, langsamer, innehalten — bis die Ausbruchversuche der Menschen, ihre Sehnsucht nach Freiheit, auf das Stück selbst überschwappen.





