Nikolai Eneas Prawdzic

Dramaturgie

Was verlernt man am Theater?
Dass die Welt so ist, wie sie uns erscheint.

Was wolltest du als Kind einmal werden?
Archäologe! Nach anfänglichem Steine klopfen landete ich bei der Soziologie und später dann beim Theater. Irgendwie dasselbe, oder?

Wie verhältst du dich gegenüber Grenzen?
Begegnet mir eine, beäuge ich sie erstmal misstrauisch oder ignoriere sie. Wenn’s sein muss, spring ich drüber. Ab und an freunden wir uns an – wenn sie wieder mal ausufernde Komplexität reduziert, mir einen freien Abend gönnt oder verunsichert nach dem Weg fragt.

Woran glaubst du?
Die Aufklärung.

Hat Dich die Vernunft je enttäuscht?
Wenn ich den Politolog*innen unseres Landes zuhöre, wie sie nach dieser und jener Abstimmung das Schweizer Stimmvolk rühmen, wie mündig/pragmatisch/besonnen/vernünftig es wieder mal vom Wahlzettel Gebrauch gemacht habe – dieser neutralen Aussenperspektive die Deutungshoheit zugestehend – dann: jeden Abstimmungssonntag.

Wofür gibst du dich hin?
Sturm und Drang und Dringlichkeit!


Biografie
Nikolai Eneas Prawdzic, geboren 1989, ist seit der Spielzeit 2019/20 Hausdramaturg am Neumarkt und Co-Regisseur des Kollektivs «Proberaum Zukunft». 
Er arbeitete als Regieassistent am Schauspielhaus Zürich sowie als Dramaturgieassistent am Luzerner Theater. Bevor er sich dem Theater zuwendete, engagierte er sich im Feld der Politik u.a. als politischer Sekretär sowie Mediensprecher und Kampagnen-Leiter eidgenössischer Volksabstimmungen. Der politische Hintergrund prägte sein Verständnis von Theater als Reflexions- und Möglichkeitsraum, in dem – wider die desillusionierende Gegenwart – erstrebenswerte Zukünfte erprobt werden können. Sein Lieblingswort ist «dringlich». Er studierte Soziologie an der Universität Zürich und an der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg im Breisgau sowie Dramaturgie an der Zürcher Hochschule der Künste.

Foto: © Flavio Karrer